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ZEIT LEO  Ausgabe 8/2019

Zeitreise mit Kamera

Der Kinofilm »Als Hitler das rosa Kaninchen stahl« spielt vor fast 90 Jahren. Wie lässt das Filmteam alles alt aussehen?

Text: Katja Bosse

Rumpelnd fährt der Zug in den Bahnhof ein. Aus seinem Schornstein dampft es, die Waggons sind mit Holz verkleidet. Quietschend öffnen sich die Türen. Männer mit breitkrempigen Hüten und Frauen in langen Röcken steigen aus. Sie wuchten Lederkoffer auf den Bahnsteig, die keine Rollen haben. 
In dieser Filmszene sieht alles altmodisch aus, so gar nicht nach 2019. Kein Wunder: Die Geschichte des Films »Als Hitler das rosa Kaninchen stahl« spielt vor rund 90 Jahren. Sie handelt von dem Mädchen Anna. Weil sie und ihre Familie Juden sind, müssen sie vor den Nationalsozialisten aus Deutschland fliehen. In der Szene mit dem Bahnhof kommen sie gerade in Zürich in der Schweiz an. 
Damit alles so echt wie möglich wirkt, hat sich das Filmteam viel Mühe gegeben. Als Kulisse hat es einen Bahnhof in Prag gefunden, der etwas düster und verschnörkelt aussieht. Eiserne Pfeiler tragen seine Decke. Die alte Holzbank hat das Filmteam auf den Bahnsteig gestellt, den historischen Zug hat es gemietet. 
Jetzt geht im Film eine Frau über den Bahnsteig. Sie trägt eine Kappe aus hellem Stoff. Wie sie haben alle Schauspieler Kleidung an, die damals in Mode war. Und zwar nicht nur die Hauptdarsteller, sondern jeder einzelne Komparse. So nennt man die Menschen, die irgendwo im Hintergrund zu sehen sind.

An diesem Film haben ungefähr tausend Komparsen mitgewirkt: Erwachsene, die über die Straße laufen, Kinder, die in einer Schulklasse sitzen. »Für jeden mussten wir Schuhe und Kleider aus den 1930er-Jahren finden«, erzählt die Kostümbildnerin. Monatelang hat sie gesucht, fündig geworden ist sie auf Flohmärkten und in Theatern. Für die Hauptpersonen wurden Stücke nachgeschneidert: etwa für Riva, die im Film die neunjährige Anna spielt. Das Mädchen brauchte für den Film auch eine Frisur, wie sie zu der Zeit typisch war: Damals trugen Mädchen vor allem Bobs, also kinnlange Schnitte. »Viele Mädchen, die sich für eine kleine Rolle beworben hatten, haben deshalb gleich wieder abgesagt«, erzählt die Maskenbildnerin, die sich um das Styling kümmert. »Sie wollten nicht, dass wir ihnen die Haare abschneiden.« 
Riva musste beim Dreh auch darauf achten, dass sie keine Wörter verwendet, die Kinder damals noch gar nicht sagten: »Cool« zum Beispiel, »super« oder »okay«. »Außerdem gab es Fernseher noch nicht«, erzählt Riva. »Also hab ich mit meinem Filmvater vor einem Radio gesessen. Das war wirklich ein riesiger Kasten!«

[...]

Fotos: Warner Bros.

 

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