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ZEIT LEO  Ausgabe 5/2016

Nach dem großen Beben

Vor mehr als einem Jahr haben starke Erdstöße viele Orte in Nepal zerstört.
Auch das Dorf von Bimalas Familie. Erst langsam wird es wieder aufgebaut.

Von Andrzej Rybak

An den 25. April 2015 erinnert sich Bimala ganz genau: An diesem Tag arbeitete das Mädchen mit seinen Eltern und seinen drei Schwestern auf dem Feld, als es ein seltsames Rattern hörte. Das klang, als würde ein Hubschrauber über das Dorf fliegen. Dann begann die Erde zu beben, so stark, dass sich Bimala kaum auf den Beinen halten konnte. Das Haus der Familie, das neben dem Feld stand, bewegte sich hin und her. »Ich wusste nicht, was geschieht«, sagt das Mädchen. »Ich hatte schreckliche Angst!«

Bimala ist 14 Jahre alt. Sie wohnt mit ihrer Familie in dem Dorf Gelu in Nepal, einem kleinen Land zwischen China und Indien. Was ihr so viel Angst einjagte, war das schlimmste Erdbeben, das es in Nepal seit mehr als 80 Jahren gab. Es dauerte zwar nur etwa eine Minute. Aber diese kurze Zeit reichte, um viele Orte in dem Land zu verwüsten. Wertvolle Tempelanlagen, Kulturstätten und Paläste wurden stark beschädigt, und sehr viele Häuser stürzten ein. Fast 9000 Menschen starben.

In dem Dorf, in dem Bimala lebt, hatten die Menschen Glück: Niemand kam ums Leben. Das Dorf liegt in einem hügeligen Gebiet, rund 150 Kilometer entfernt von der Hauptstadt Kathmandu. In Deutschland würde man für eine solche Strecke höchstens eineinhalb Stunden mit dem Auto brauchen. In Nepal braucht man fünf Stunden, denn die Straßen sind schmal und kurvig. In Gelu sind die Häuser nicht gemauert, sondern aus Lehm und etwas Holz gebaut. Die
meisten halten einem Erdbeben nicht stand. Auch Bimalas Haus an einem Hang hoch über dem Fluss Tamakoshi wurde beschädigt.

Das war für die Familie schlimm, weil sie sehr arm ist. Der Vater zieht als Maurer durch die Dörfer. Er findet nicht immer Arbeit, und wenn, verdient er nur umgerechnet fünf Euro am Tag. Die Mutter bebaut ein kleines Feld neben der Hütte. Dabei hilft ihr auch Bimala. »Wir pflanzen Mais und Hirse, verschiedene Gemüse und Chili an«, erzählt sie. [...]

Fotos: Oliver Wolff

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