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ZEIT LEO  Ausgabe 6/2019

Humboldt erforscht die Welt

Text: Laura Geyer
Vor 250 Jahren wurde Alexander von Humboldt geboren. Der Entdecker reiste durch Südamerika und erlebte dort viele Abenteuer. Warum erinnern wir uns heute noch an ihn?

Alexander von Humboldt ist so etwas wie ein wissenschaftlicher Popstar: Viele Menschen auf der ganzen Welt interessieren sich für ihn. Das war schon vor etwa 200 Jahren so, als er gelebt hat. Und heute reden wieder alle von Humboldt. Denn vieles, was er herausgefunden hat, ist immer noch genauso aktuell wie damals. Schon als Kind in Berlin ist er fasziniert von der Natur. Er träumt davon, die Welt zu bereisen. Als Erwachsener schafft er es: Im Jahr 1799 bricht Humboldt nach Südamerika zu seinem größten Abenteuer auf. Er macht dabei viele Entdeckungen. Zum Beispiel stellt er fest, dass in der Natur alles mit allem zusammenhängt. In seinem Reisetagebuch schreibt er von einem Erlebnis in Venezuela. Er steht an einem großen See, dem Valenciasee. Auf den Feldern rundherum wachsen Baumwolle, Zuckerrohr und Mais. Ein Bauer, der dort arbeitet, erzählt ihm, dass der See immer kleiner wird. Und dass niemand weiß, warum das so ist. Dem muss Humboldt auf den Grund gehen. Er wühlt in der Erde: Warum gibt es da Muscheln und 36 Sand? Er läuft einmal um den ganzen See herum und misst, wie groß er ist. Dann fallen ihm die kahlen Berghänge auf. Aus Büchern weiß er, dass dort früher Bäume standen. Wälder speichern Wasser. Zerstört man sie, trocknet der Boden aus, und Seen versickern. Humboldt versteht dort am Valenciasee, wie wichtig Wälder für die Natur sind.

Während der gesamten Reise schreibt Humboldt ständig seine Beobachtungen auf. Er versendet viele Briefe. Und er schickt seine Sammlungen nach Europa: getrocknete Pflanzen, tote Vögel, alte Vasen und die Gebeine aus der Grabstätte am Orinoco. Humboldt will sein Wissen mit anderen Menschen teilen, denn er sagt: »Ideen können nur nützen, wenn sie in vielen Köpfen lebendig werden.« Deshalb schreibt er sehr viel in seinem Leben: ungefähr 50 Bücher, 800 Aufsätze und 30.000 Briefe. Humboldt baut sich ein großes Netzwerk auf. Dazu gehören Könige, Wissenschaftler und Unternehmer auf der ganzen Welt. überall kennt man ihn – auch nach seinem Tod noch. An dem Tag, an dem er 100 Jahre alt geworden wäre, wird er in ganz vielen Ländern gefeiert. Danach aber gerät er für lange Zeit in Vergessenheit. Erst vor Kurzem haben Wissenschaftlerinnen ihn wiederentdeckt und gezeigt, wie wichtig seine Ideen noch heute für uns sind. Humboldt warnte ja zum Beispiel davor, was passiert, wenn die Wälder zu stark abgeholzt werden: Der Boden und die Luft werden trocken, Seen schrumpfen, die Lebensräume für Tiere und Pflanzen verändern sich. Humboldt ist deshalb heute für manche so etwas wie der erste Umweltschützer. Er selbst hat immer wieder gesagt: Man muss die Dinge in der Natur genau messen – aber man muss auch fühlen und genießen, wie schön sie sind: die Pflanzen, Tiere, Berge, Seen und Flüsse. Erst dann kann man die Welt richtig verstehen.

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Illustration:  Philip Lindeman

 

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