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Der große ZEIT LEO-Schreibwettbewerb

Willst du eine Abenteuergeschichte erzählen, im ZEIT LEO-Magazin oder auf der ZEIT LEO-Seite in der ZEIT? Dann mach hier mit!

Welches Abenteuer siehst du in diesem Bild?

Welches Abenteuer siehst du in diesem Bild?
Welches Abenteuer siehst du in diesem Bild?

Jetzt schreib eine Abenteuergeschichte, die zum Bild passt – mit diesen Tipps von Kinderbuchautor Martin Baltscheit!

Hallo, mein liebes Schreibtalent!
Was braucht man für eine gute Geschichte? Stift und Papier oder einen Computer, na klar. Ruhe. Auch richtig. Zu allererst aber brauchst du eine Idee! Manchmal reicht ein Bild: Dieses hier von Anabel Colazo, zum Beispiel, da sind jede Menge Ideen versteckt. Hast du eine Idee, brauchst du dich selbst, deinen eigenen Kopf. Da wohnt die Fantasie, der Witz und das Abenteuer ... darüber hinaus gibt es noch 10 goldene Regeln des Schreibens:

1. Du brauchst einen Helden

Jede Geschichte hat eine Hauptfigur. Eine Heldin. Einen Helden. Eine Geschichte ohne heldenhafte Hauptfigur gibt es nicht. „Es war einmal niemand, der nichts erlebte.“ Das ist nicht nur die kürzeste, sondern auch die langweiligste Geschichte. Eine Hauptfigur kann alles sein. Mann oder Frau, Kind oder Saurier, auch eine Gruppe kann eine Hauptfigur sein. Bösewichte, Gutewichte, Blumen, Sonne oder Sachen, die es noch gar nicht gibt. Alles ist möglich. Hauptsache, die Figur verwickelt uns in eine Geschichte und erlebt etwas! Wer auf dem Bild wird deine Hauptfigur?

2. Die Hauptfigur braucht ein Problem

Auch folgende Geschichte würde niemand lesen: „Es war einmal ein Kind, dem ging
es gut. In der Schule war es beliebt. In allen Fächern das beste Kind aller Zeiten. Es sah auch klasse aus. Wo immer es herumspazierte, schien die liebe Sonne und alles war echt super.“ Merkst du was? Du wirst ungeduldig und wartest auf einen Satz wie: „Aber dann fiel die Sonne vom Himmel und alle Menschen verwandelten sich in schwermütige Schnecken. Das Kind konnte nur noch rückwärts laufen und seine kleinen Füße fingen an zu sprechen: Auf Chinesisch!“ In einer Geschichte muss etwas passieren! Die Welt muss sich verändern, unvorhergesehen und dramatisch. Die Hauptfigur soll vor einer Herausforderung stehen, sie braucht ein echtes Problem, einen Grund, das alte Leben zu verlassen und über sich hinaus zu wachsen. Dazu gibt es einen Spruch: „Wer alles hat, wem gar nichts fehlt, erkundet keine neue Welt.“ Helden aber, im Buch, wie im Leben, sind genau das: Entdeckerinnen und Entdecker neuer Welten.

3. Die Lösung des Problems ist die Geschichte

Das Problem ist der Zaubertrick aller Geschichten. Kein Problem, keine Geschichte. Die Geschichte erzählt von der Lösung des Problems. Die Geschichte ist die Lösung. Aber wie kommst du auf Probleme? Na, da schau doch mal bei dir selbst: Was ärgert dich? Was wünschst du dir? Was willst du ändern? Oder schau bei anderen: „Himmel, der ist ja so eine Heulsuse, was muss nur passieren, damit das aufhört“. Oder: „So ein garstiger alter Sack, wie machen wir da nur einen liebenswerten Menschen draus?“ Wir alle haben Fähigkeiten und Ängste. In den Ängsten liegen die besten Probleme versteckt. Wenn du deine Figur gefunden hast, ob ein Kind mit Zauberstab, einen Käse auf zwei Beinen oder einen unentschlossenen Fluss, dann such das Problem in den Eigenschaften der Figur. Ein Angeber fürchtet die Niederlage. Der Schönling das Hässliche, die Scheue das Abenteuer und der Langeweiler die Aufregung. Find das Problem und lass es auf deine Hauptfigur los!

4. Mach es deiner Hauptfigur schwer

Hast du eine Hauptfigur und kennst ihr Problem, beginnst du, das Problem zu lösen. Je schwerer die Lösung, umso länger die Geschichte, desto größer der Triumph. Wir lieben triumphale Helden und Heldinnen, weil wir beim Lesen eins mit ihnen werden. Beispiel: Der Wurm träumt vom Fliegen, dem Zauberstab fehlen die Batterien und der Fluss kann sich für keine Richtung entscheiden. Was tut der Wurm, um sich zu helfen? Richtig: „Der Wurm will ein Ticket beim Rundflug-Saurier kaufen, aber von dessen Rücken rutscht er immer wieder hinunter. Der Zauberstab funktioniert nicht und er muss Geld verdienen. Niemand hat Arbeit für einen Kerl ohne Arme und Beine, aber vielleicht kann der freundliche Käsehändler helfen? Allerdings laufen die Käse davon, als sie den Wurm sehen und der Wurm steht alleine am Fluss, über sich eine Schar Krähen auf Abendbrottour ...“
Es der Hauptfigur schwer zu machen, heißt, die Geschichte spannend zu gestalten. Aber Vorsicht: Machst du es ihr zu schwer, weißt du nicht, wie du sie da wieder rausholen kannst. Dann ist die Geschichte dein Problem.

5. Schreib auf, was passiert

Hast du deine Figur, kennst ihr Problem und weißt, nach wie vielen Kämpfen sie ein wahrer Held oder eine wahre Heldin wird, schreibst du alles auf: Du schreibst auf, was passiert. Du schreibst auf, wie es passiert und wo. Du erklärst nicht, wie deine Hauptfigur sich fühlt. Du lässt sie handeln. Du lässt sie sprechen. Vielleicht gibst du ihre Gedanken Preis, aber niemals schreibst du auf, ob sie traurig, fröhlich oder wütend ist, denn wenn du gut gearbeitet hast, spürt der Lesende von alleine, wie es sich anfühlt, in einer Heldenbrust. Du erklärst auch nicht die Moral von der Geschichte, denn die werden die Lesenden in ihren Herzen spüren, sobald die Geschichte zu Ende ist. Ach, und die Überschrift? Die kommt am Schluss, weil du erst Ende am weißt, was du am Anfang verraten willst.

6. Schreib auf, was deine Figuren sagen

Aufschreiben, was Figuren sagen, heißt: Dialoge schreiben. Figuren reden miteinander. Und wir wollen sie hören: wie sie streiten, Witze machen, sich anfeuern und nachdenken. Wir wollen hören, was sie sagen und sehen, was sie tun. So beschreibt eine Schriftstellerin oder ein Schriftsteller, wie die Hauptfigur sich am eigenen Zopf aus dem Schlamassel zieht. Hast du eine gute Figur mit einem fabelhaften Problem und beschreibst du die Abfolge der Ereignisse, dann ist es dir plötzlich, als müsstest du einfach nur zuhören. Als erzählten die Heldinnen und Helden ihre Geschichte selbst. Du hörst Stimmen im Kopf und schreibst sie nur noch auf. So schön kann arbeiten sein.

7. Schreib auf, was sie denken

Auch von Heldengedanken erzählst du. Von der Innensicht deiner Figuren. „Ach, wenn ich doch nur Flügel hätte. Flügel so schnell wie Gedanken und grenzenlos wie eine gute Idee, dachte der Wurm, als die Käse auf Beinen längst davongelaufen waren.“ Schriftsteller hören, was Heldinnen sagen, sehen, was sie tun und lesen, was in ihren Köpfen steht. Mehr Nähe geht kaum und braucht es auch nicht. Erzähl die Geschichte, als wärst du selbst dabei gewesen. Echte Schriftstellerinnen lachen und weinen mit ihren Helden, wenn Helden lachen und weinen. Das ist das Wunder des Schreibens.

8. Alles ist erlaubt

Noch ein Wunder: Kein Gedanke ist verboten. Das weiße Papier eines Schriftstellers oder einer Schriftstellerin ist das Land der Freiheit. Solange du deine Gedanken nicht öffentlich machst, gibt es keine Wortepolizei. Sobald du deine Geschichte anderen zeigst, achte darauf, niemanden zu beleidigen. Du willst Geschichten erzählen, um etwas dabei zu lernen und Lesende teilhaben zu lassen. Solange du diesem Grundsatz folgst, ist alles erlaubt, nur eines darfst du nicht: langweilen. Langeweile, dafür gibt es einen einfachen Test: Gib deine Geschichte jemanden, der nicht so gut vorlesen kann und lass ihn vorlesen. Jedes Mal, wenn er stolpert oder du einschläfst, musst du noch etwas ändern.

9. Sei ein bisschen gemein

Das ist mein Lieblingstrick: Um eine Geschichte maximal aufregend zu erzählen, lässt du die Lesenden mehr wissen als deine Hauptfigur. „Der Käseverkäufer will den Wurm in Wahrheit zum Angeln benutzen, denn im Fluss schwimmt der Fisch der Unentschlossenheit und wer ihn grillt, weiß, was er will. Der Wurm weiß nicht, was er will, vertraut dem Käseverkäufer aber total. Er hat so freundliche Augen.“ Du kennst den Plan des Käseverkäufers, aber der Wurm kennt ihn nicht. Diese kleine Gemeinheit lässt uns für den Helden schwitzen. Denn alle Lesenden wollen helfen, können es aber nicht, weil die Geschichte schon geschrieben ist – und so schickst du sie atemlos durch ein raffiniertes Abenteuer. Gemein sein ist erlaubt, aber nur unter einer Bedingung:

10. Es geht gut aus

Du darfst es deiner Hauptfigur schwermachen und sie durch die Höllen des Zweifels schicken, solange du sie am Ende gestärkt aus dem Abenteuer wieder nach Hause schickst. Sie soll etwas gelernt haben und klüger sein. Ein gutes Ende ist wie ein gutes Essen. Wer will am Ende faule Früchte? Geschichten sind Nahrung für den Verstand. Wir denken in fremden Gedanken und reisen in unbekannten Gehirnen. Als Schriftsteller oder Schriftstellerin lässt du einen Blick durch deine Augen zu, machst das Herz auf und sagst: Schau hinein, das habe ich mir für dich ausgedacht, nun lies und lebe gut damit.

Martin Baltscheit schreibt Bücher für Kinder und hat dafür schon viele Preise gewonnen. Er begleitet diesen Wettbewerb als Schirmherr und sitzt in der Jury.

So kannst Du mitmachen

Schick uns deine Geschichte!

Hast du deine Geschichte mit der Hand geschrieben? Dann kannst du sie abfotografieren. Oder du tippst sie gleich am Computer. Bei der Länge bist du frei: Schau einfach, wann sich dein Text richtig anfühlt.

Wenn du fertig bist, schick deine Geschichte bis zum 15. Oktober 2021 an schreibwettbewerb@zeit.de.

Alle Geschichten werden von der Redaktion gelesen. Eine Jury sucht die schönsten aus.
Die werden in der Ausgabe 8/21 des ZEIT LEO-Magazins und auf der ZEIT LEO-Seite in der ZEIT abgedruckt. Viel Glück!

Teilnahmebedingungen

Teilnahmeschluss ist der 15.10.2021. Teilnahmeberechtigt sind alle Einsender, ausgenommen Mitarbeiter von Unternehmen des ZEIT-Verlags sowie von anderen an diesem Gewinnspiel beteiligten Unternehmen und deren Angehörige. DIE ZEIT behält sich das Recht vor, die Berechtigung aller Teilnehmer zu prüfen. Die Gewinner werden unter allen Einsendern durch das Los ermittelt und per Post benachrichtigt. Eine Barauszahlung des Gewinns oder der Umtausch ist nicht möglich. Änderungen vorbehalten. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

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