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ZEIT LEO  Ausgabe 2/2019

Aufräumen im All

Die Weltretter-Idee

Text: Sven Stillich
ZEIT Leo 2/2019 Aufräumen im All
ZEIT Leo 2/2019: Aufräumen im All
Illustration: Sophie Nicklas

Was ist die Idee?

Satelliten, die durchs All fliegen, stoßen nicht selten zusammen. Dabei kann sich so einiges lösen: Antennen, Instrumente, Farbsplitter. Dieser Müll kreist dann endlos um die Erde. Europäische Weltraumforscher wollen ihn in Zukunft einsammeln. Dafür planen sie, Raumsonden ins All zu schicken. Die sollen Müllteile aufspüren und einfangen, und zwar so: Die Sonde wirft eine Leine mit einem Netz daran aus. Die Fäden des Netzes sind härter als Stahl und sehr reißfest. Wenn ein Schrottteil hineinfliegt, ziehen kleine Motoren das Bündel so fest zu, dass nichts mehr entwischen kann.

Was ist daran so toll?

Die Schrottteile sind mit einer Geschwindigkeit von Tausenden von Stundenkilometern unterwegs. Dadurch bekommen sie eine riesige Wucht: Ein einziges Stück Farbe, das von einer Rakete abgebröckelt ist, kann einen Satelliten zerstören. Satelliten aber sind wichtig, weil sie Daten zur Erde schicken: für das Internet, GPS-Geräte oder den Wetterbericht. Weltraumschrott gefährdet ihre Arbeit. Das Problem wird noch größer, denn in den kommenden Jahren sollen Tausende neuer Satelliten ins All geschossen werden. Je mehr dort kreisen, desto mehr können getroffen werden, und desto mehr neuer Müll entsteht.

Geht das auch bei uns?

In Tests haben die Netze gut funktioniert. Die europäischen Forscher hoffen nun, dass sie bald zum Einsatz kommen. Die Netze können allerdings nur größere Schrottteile einfangen. Farbteilchen würden durchflutschen. Dieses Problem können bisher auch andere Forscher nicht lösen. Viele tüfteln an Ideen, um den Weltraum sauberer zu machen: In Japan experimentieren Wissenschaftler mit einem riesigen Haken, der im All Schrott angeln soll. Forscher in Deutschland träumen von einem starken Laser, der Müllteile trifft und sie von ihrer Bahn ablenkt. Und in den USA wird gerade ein Raumschiff geplant, das wie ein riesiger Bogen Geschenkpapier aussieht. Das könnte den Müll einwickeln. All diese Geräte sind aber noch nicht fertig entwickelt. Und es gibt noch eine Schwierigkeit: Bislang ist nicht klar, was mit dem gesammelten Schrott passieren soll. Die meisten Erfinder wollen ihn verglühen lassen. Dazu soll er in die Erdatmosphäre eindringen, in die Gasschicht, die die Erde umgibt. Dort würde der Schrott durch die Geschwindigkeit und die Reibung so heiß werden, dass er schmilzt – allerdings nicht immer vollständig. Was übrig bleibt, soll zum Beispiel im Meer versenkt werden. Für die Umwelt wäre auch das nicht gut. Also muss man weiter nach Ideen suchen.

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